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Wem nutzen Curved-Displays?

Curved-TV Sehen zweifelsfrei schick aus, tragen aber kaum etwas zum Filmerlebnis bei und zur Bildqualität bei: Curved-TVs (Bild: RMC)

Seit geraumer Zeit bieten Hersteller TV-Geräte mit gekrümmten Bildschirmen an und versprechen damit eine bessere Bildqualität und ein tieferes Erlebnis bei der Betrachtung von Filmen. Die Betrachter werden in den Film gesogen und bemerken die Details auch am Rand optimal. Es werden Erinnerungen an George Lucas wach, der seinerzeit THX zertifizierte Kinos mit gekrümmter Bildwand einführte und damit eine neue Ära der Filmvorführung einläutete.

Was ist aber dran an der Behauptung, auf gekrümmten Bildschirmen sähe man besser? Wenn man es genau betrachtet ist eigentlich gar nichts daran. Und das aus mehreren Gründen.

 

Betrachtungsbedingungen

Radius, Winkel und Abstände bei der Betrachtung von Curved-Displays (Grafik: copyright: RMC)

Der Betrachtungswinkel

Auch im Falle gekrümmter Displays ist der optimale Betrachtungswinkel der, bei dem der Blick senkrecht auf die zu betrachtende Fläche fällt. Der Winkel beträgt dann 90° (In der Zeichnung dargestellt durch einen Viertelkreis mit Punkt). Dieser Abstand entspricht exakt dem Radius, der die Wölbung erzeugt. Nun ist aber offensichtlich, dass die Krümmungen aktueller Curved-TVs so ausgelegt sind, dass die Radien zielmlich groß ist (siehe „r“ in der Grafik), die Krümmung also nur leicht ist. Das widerspricht dem Gedanken, dass der Zuschauer (hier:P1) im Abstand „r“ in den Fim hineingezogen werden soll, denn dies ist nur bei sehr geringen Betrachtungsabständen möglich. Ein anderer Aspekt ist der, dass in diesem Fall hohe Auflösungen wie 4K nicht mehr relevant sind. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Nähert sich der Zuschauer (P2) der gewölbten Screen, desto mehr wird er ins Fimgeschehen einbezogen, desto schlechter wird aber der Betrachtungswinkel (alpha). Damit wird die Bildqualität aber schlechter. Sitzt der Betrachter in der Mitte, so sind die geometrischen Verhältnisse achsensymmetrisch. Links sind die Betrachtungsbedingungen wie Abstand und Winkel gleich wie rechts. In der Praxis wird aber kaum eine Person allein vor dem Fernseher sitzen und sich Kinofilme ansehen. Im einfachsten Fall sitzt eine weitere Person (P3) vor dem Fernseher. Damit verändern sich die Betrachtungsbedingungen aber drastisch. Denn einerseits sind dann die Betrachtungswinkel zwischen linkem und rechtem Bildrand nicht mehr symmetrisch (beta und gamma), vielmehr verändern sich auch die Betrachtungsbastände von linkem und rechtem Bildrand. Beides kann zu Unterschieden in der Helligkeits- und Farbwahrnehmung und damit zu einer schlechteren Bildqualtiät führen. Dies ist natürlich abhängig von der Qualität des Curved-TV.

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass diese Überlegungen für jede beliebige Position vor dem Fernseher gelten. Jeder sieht gewissermaßen sein eigenes Bild.

 

Die Physiognomie des Auges

Ein weiterer Aspekt zum Thema Curved-Displays betrifft die Wahrnehmung durch das menschliche Auge. Seit mehr als 200.000 Jahren Evoluotion haben sich die Augen so entwickelt, dass sich der Mensch auf das fokussiert, was sich in seinem unmittelbaren Sichtfeld vor ihm abspielt. Seine Augen sind parallel angeordnet, um durch die unterschiedlichen Abstände, die von beiden Augen zu einem betrachteten Objekt vorhanden sind, ein räumliches Sehen zu erhalten. Dies war überlebenswichtig, denn so konnte Jagdbeute präzise erfasst und Feinde abgehalten werden. Für das Auge heißt das, dass sich auf der Netzhaut im hinteren Teil des Augapfel ein Bereich höchster Dichte von Rezeptoren für die Farb- (Zäpfchen) und Helligkeitswahrnehmung (Stäbchen) befindet. Diesen Bereich nennt nennat man Fovea. Die Rezeptoren fangen exakt die Informationen ein, die sich dort befinden wohin sich unser Blick richtet. Über den Rest der Netzhaut sind die Stäbchen und Zäpfchen spärlich verteilt und dienen der Informationsgewinnung nur insoweit, als dass Bewegungen (Gefahr) wahrgenommen werden. Was bedeutet das nun für die Curved-Displays?

Vereinfacht gesagt nimmt der Betrachter nur einen bestimmten Teil des Bildschirms wahr, wenn er nur nah genug davor sitzt. Die Bereiche außerhalb davon werden nur „unscharf“ wahrgenommen und werden auch nicht wesentlich besser wahrgenommen, wenn der Bildschirm gekrümmt ist. Im Grunde genommen bräuchte man in diesen Bereichen auch keine hohen Auflösungen. Sitzt der Betrachter weit weg, nimmt er das Bild in vollem Umfang wahr, braucht aber aufgrund des Auflösungsvermögen des Auges keine hohe Auflösungen wie 4K. Die gekrümmten Bildschirme sind in diesem Fall unnütz.

Wenn die Prospekte und Hochglanz-Broschüren der Hersteller dem Heimhino-Enthusiasten glauben machen wollen, man wird beim Curved-Display ins Filmgeschehen hineingezogen, so kann dies nur erfolgen, wenn man nah genug vor dem Fernseher sitzt, was aber das Familienkino gefährdet, oder der Fernseher ist hinreichend groß, was wiederum ein beträchtlicher Kostenfaktor ist.

Die Filmindustrie weiß das und fokussiert das Geschehen in der Mitte des Bildes. Am Rand sind die Informationen nur spärlich besetzt. Mit Ausnahme von Action-Filmen vielleicht. Sie passt sich dem Menschen an.

 

Auditive Aspekte

Gesetzt den Fall, der Betrachter gönnt sich bei einem 65″ Curved-Display einen Betrachtungsabstand von etwa 2 Metern – soviel ist etwa nötig, um 4K-Auflösung genießen zu können – so stellt sich die Frage: Wo bleibt der Mehrkanal Surround-Sound? 5.1 Soundanlagen in den Dimensionen eine Ehebattes aufzustellen ist ein mutiges Unterfangen, denn es bedeutet viel Materialaufwand und der Sound kann sich trotzdem nicht recht entfalten. Im Falle weiterer Kanäle bzw. in des Sphären von Dolby Atmos erledigt sich jede weitere Überlegung. Wird dem Sound aber genug Raum gegeben, ist die Entfernung zum Curved-TV wieder sehr groß. Der Kreis schließt sich.

 

Eine Frage des Designs

Wenn es also keine Gründe hinsichtlich der Verbesserung der Bildqualität gibt, warum sollte man sich ein Curved-Display zulegen? Es sind optische Gründe. Ein Curved-TV ist ungemein schick und veredelt eine feines Ambiente. Viele Hersteller bieten dazu passende Füße an, um für den richtigen Stand zu sorgen. Das muss auch so sein, denn an der Wand angebracht, verliert ein gebogener Bildschirm an Faszination.

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